Menschliche und Künstliche Intelligenz – gemeinsam gegen Covid-19

Sie Sarah Hofer

Ai covid

Der Ausbruch des neuen Coronavirus (Covid-19) begann im Dezember des letzten Jahres in Wuhan, Hauptstadt der zentral-chinesischen Provinz Hubei. Seither hat das Virus weltweit 193'710
Menschenleben gekostet und weitere 2'804'796 Menschen sind mit dem Covid-19 infiziert worden, wobei dies nur die bestätigten Fälle sind (Stand 26. April 2020, Quelle WHO, Situation Report – 97)

Software ist ein wichtiger Bestandteil in der Bekämpfung und Bewältigung der Krise. Sei es für die Information, in der Kommunikation, für Remote-Arbeit oder in der Forschung. Insbesondere wird auch mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz weltweit auf Hochtouren entwickelt und geforscht um Lösungen, im Kampf gegen diese Pandemie zu finden. Gleichzeitig meint man, dass die menschliche Intelligenz zu wünschen übrig lässt, wie das Beispiel vom ″Toilettenpapier-Hamsterkauf″ zeigt.

Dass jedoch künstliche und menschliche Intelligenz in einem wichtigen Zusammenspiel stehen, wollen wir in den folgenden drei Beispielen aufzeigen. Sie verdeutlichen, wie abhängig diese zwei Intelligenz-Formen voneinander sind und relativieren die Angst, dass künstliche Intelligenz überhandnehmen und menschliche Kompetenzen verdrängen könnte.

Wo menschliche und künstliche Intelligenz zusammenspannen (müssen)

Vor Krankheiten warnen und diese voraussagen

BlueDot war eines der weltweit ersten Unternehmen, welches das durch das Covid-19 in der Provinz Hubei aufkommende Risiko identifizierte und seine Kunden, darunter sind Regierungen, Krankenhäuser und Fluggesellschaften, warnte. Dies sogar mehrere Tage vor der offiziellen Kommunikation durch die Weltgesundheitsorganisation. Das kanadische Start-up durchsuchte dafür regionale Nachrichten in 65 Sprachen, offizielle staatliche Gesundheitswarnungen, Meldungen über Tier- und Pflanzenkrankheiten sowie entsprechende Foren, Blogs und internationale Fluggastdatenbanken. Insbesondere die Durchforstung von Fluggastdatenbanken ermöglichte es BlueDot, eine korrekte Vorhersage über die Verbreitung des Virus in den ersten Tagen nach dem Auftreten zu treffen. Dies alles gelingt BlueDot jedoch nicht ohne menschliches Zutun. Nachdem das Programm, das auf 40 Erreger-spezifischen Datensätzen basiert, alle Daten ausgewertet hat, um die Mobilität von Krankheiten und deren Ausbruchspotential zu widerspiegeln, prüfen Epidemiologen die gezogenen Schlussfolgerungen auf ihre Wissenschaftlichkeit hin. Erst nach dieser Kombination von künstlicher und menschlicher Intelligenz werden Warnungen verschickt.

Neue Medikamente erfinden und testen

Das in Hongkong ansässige Unternehmen Insilico Medicine hat mithilfe einer KI-basierten Plattform zur Wirkstoffentdeckung, zehntausende neuartiger Moleküle generiert, die möglicherweise ein bestimmtes Covid-19-Protein binden und so die Replikationsfähigkeit des Virus blockieren können. Mit der gleichen Methode wie die Moleküle generiert wurden, werden auch Deepfakes generiert. Die Moleküle wurden danach auf ihre Erfolgswahrscheinlichkeit geprüft und mit einem Deep-Learning-Filtersystem weiter eingegrenzt. Insilico Medicine plante als Nächstes, sieben der Moleküle herzustellen und zu testen, wurde aber selber von der Pandemie ausgebremst: Über 20 ihrer Vertragschemiker wurden in Wuhan unter Quarantäne gestellt. Seitdem hat Insilico Medicine zwei der sieben Moleküle synthetisch hergestellt und plant, diese mit einem pharmazeutischen Partner in den nächsten zwei Wochen zu testen. Erst klinische Labortests werden beweisen, ob diese erfundenen Moleküle funktionieren. Insilico Medicine untersucht auch aktiv Medikamente, die das Immunsystem älterer Menschen verbessern können, sodass eine ältere Person möglicherweise auf eine Covid-19-Infektion reagiert, wie es eine jüngere Person in der Regel tut, das heisst mit milderen Symptomen und einer schnelleren Genesung.

Social-Media-Inhalte überprüfen und moderieren

Weil die Menschen wegen Covid-19 zu Hause bleiben und persönliche Interaktionen virtuell abhalten, werden mehr Inhalte auf sozialen Plattformen geteilt. Soziale Plattformen haben generell gegen die Verbreitung von Fehlinformationen, nun auch über Covid-19, zu kämpfen und setzen dazu schon lange KI ein. Obwohl KI dazu beitragen kann, dass die Überprüfung und Moderation von Informationen und Inhalten schneller erfolgt, sie sogar gänzlich übernehmen kann, kann KI Schwierigkeiten haben, den sozialen Kontext von Posts oder Videos richtig zu verstehen und infolgedessen ungenaue Urteile fällen. Deshalb wird diese Arbeit nach wie vor nicht nur von KI ausgeführt. Dass die Unternehmen jedoch in dieser Zeit trotzdem mehr auf KI setzen müssen, hat einen einfachen Grund: Für die Prüfer/innen von Informationen und Inhalten ist die Arbeit von zu Hause aus oftmals nicht möglich, da sie Zugriff auf viele private Benutzerinformationen haben, ganz zu schweigen von hochsensiblen Daten, wie traumatische, gewalttätige und beleidigende Wörter und Bilder. Somit könnte die Covid-19-Zeit die Blütezeit für KI in diesem Bereich sein und die Menschen in Zukunft noch mehr und besser entlasten.

Während einer globalen Pandemie, wie wir sie mit COVID-19 gerade erleben, sind Technologien, künstliche Intelligenz und Datenwissenschaften von entscheidender Bedeutung, um die Menschen bei der wirksamen Krisenbewältigung zu unterstützen. Jedoch nützen all diese Hilfsmittel nicht, wenn dies nicht in Kombination mit der menschlichen Intelligenz geschieht.

Das allmähliche Ersetzen vom Menschen durch Technik und der vermehrte Einsatz von KI wird in vielen Bereichen zwar angestrebt, in Krisen wie dieser wird jedoch klar, dass es nicht ganz ohne menschliche Intelligenz funktionieren wird. KI ist also keine Bedrohung, sondern ein Werkzeug, das dazu beitragen kann, ausserordentliche Situationen zu bestreiten.

Sources: bluedot.global Youtube Creators Blog Swisscognitive dw.com Wikipedia: Deepfakes

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